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Les Merlufleaux

oder

Das Diktat von Amboise



Claude d'Esplas

Vicomte Chosibus reist in die Aquitania Novempopulana
von CLAUDE D’ ESPLAS


The 'White Rabbit' by Claude d'Esplas

The "White Rabbit" by Claude d'Esplas

 


           Am Kapitolplatz, Ellbogen auf der Theke des Cafés an der Ecke unter den Arkaden, schlürft Direktor Epsilon (dem wir eine Abhandlung über Orthographie und Verschiedenheit der Wörter verdanken) seinen zweiten kleinen trockenen Retsina. Die Sonne trocknet das vom Nachttau noch feuchte Pflaster. Der Vicomte verlässt das Direktorat, Ernennung in der Tasche: Interimsbabysitter an dem kleinen College von Zackzick. Er hat sofort der dicken Matrone, Frau Chefsekretärin des super Direktors Epsilon, eins ins Auge gegeben, denn er hat vergessen, ihr das traditionelle Huhn oder die Ente zu bringen, die mit Sicherheit auf den geographischen Bestimmungsort jedes jungen Grünschnabels, der akademisch überleben will, Einfluss haben. Das College von Zackzick ist nur drei Stunden fünfundvierzig Minuten von der Hauptstadt des Languedoc entfernt, im Herzen, oder fast, der Aquitania novempopulana, dieser Perle des römischen Reichs zur Zeit Cäsars des Kahlen, die sich unter Augustus bis an die Loire erstreckt, bevor sie endlich Aquitania-tertia wird, an die Narbonnaise grenzend und zu Bildung und Redekunst bekehrt wie ihre Nachbarin, die den Einfluss der phokischen Kolonie Massalia erlitten hat.

           Zur Zeit der Ausbreitung der Römer waren die Novempopulaner reich, höflich und sauber, ähnlich den Spaniern, so Strabon; geschickt, pfiffig und gerissen, geistreich, mit einer Neigung zu Witz und Spott, gemäss Florus, während Sulpicius Severus die Anmut ihrer Sprache unterstreicht. Chosibus hat sich so weit informiert, dass er sich Fragen stellt bezüglich der Zurückhaltung von Pater Montgaillard, Jesuit, geboren in Aubiet, nicht weit von Auch, Lehrer am College dieser Stadt. Bei schönem Wetter sieht man jenseits der Hügel die Kette der Pyrenäen. Der schwächliche Tiber durchfliesst die Stadt, bevor er in die mächtige Garonne mündet. Man hört dort die Sprache der Landes, die von Jasmin und von Pey de Garros. Das Essen ist gut, der Wein robust, die Bevölkerung wohlgenährt, das Leben einfach, die Stimmung friedlich, die Frauen angenehm.

           Vicomte Chosibus hat sein erstes Gehalt in der Tasche. Er wird jetzt als Gleichberechtigter (oder fast) diesen Leitern, diesen Unter-Leitern, diesen Rhetoren der Beredsamkeit, diesen Grammatikern, die Keltisch lehren und auch Griechisch und Latein, gegenübertreten, diesen Axius-Maulus in Tarbes, diesen Tetradius in Angoulême, deren öffentliche Unterrichtsstunden die Hausfrauen von ihren Kochherden wegziehen.

           Der Fluss, der sich windet und die Mühlen antreibt, ist im Sommer nur noch ein Bach, der keinen Pferdehuf überspülen könnte (so sagt der Dichter). Dort wächst der Weizen der Campania im Überfluss, und die Rebe von Sorrent, um diese Könige der Erde, die keine anderen Götter als ihre Bäuche haben, zu ernähren.

           Zu dieser Zeit schlürfen die ehemaligen Mitschüler von Chosibus auf den Terrassen der Cafés des Roosevelt Platzes den jeweils modernen Aperitif, einige in der Juristischen Fakultät eingeschrieben, einige in der Äskulapischen, und pflegen in der Sonne die Bräune, die sie in den nächsten Winterferien, in drei Monaten, unverändert wieder hervorholen werden. In der Hauptpost haben Freunde der Familie ihren Sitz hinter den Schaltern. Die Statue eines bretonischen Dichters herrscht über den Grossen Platz. Die Stimme der Tenöre aus den Bergen rührt die Platzanweiserinnen im Quinconces Theater, wo Rigoletto gegeben wird, zu Tränen. Chosibus hat sich in der von den Predigerbrüdern Roland von Cremona, Jean von Saint-Gilles und dem sogenannten Laurent l’Anglais gegründeten geisteswissenschaftlichen Fakultät eingeschrieben, und dies in der Hoffnung, eine professionelle Qualifikation zu erwerben, die es ihm erlauben wird, die steilen Stufen der scholastischen Hierarchie zu erklimmen, mit, vielleicht, einer Anstellung am Ende, die aus ihm einen vollwertigen Theologen macht. Vor dem Busbahnhof versorgt sich Chosibus mit Fahrplänen, bevor er eine lange Strasse mit schmerzhaften Unebenheiten in Angriff nimmt, die ihn so sicher ins Exil führen wird wie einen Ovid an die Gestade des Landes der Geten. Hier nun Egericius, seine gepflasterten Strassen, seine Kathedrale, seine Präfektur, und dann noch weiter in der Nacht die Endstation von Zackzick, Unterpräfektur, College für Mädchen, College für Jungen, das Land.

           Vicomte Chosibus atmet in vollen Zügen diesen Geruch von Erde, die umgegraben wird, ein; Geruch, der unter der ersten Märzsonne die Rückkehr des Frühlings ankündigt. O Fortunatos nimium ..., skandiert Chosibus, der im Glück schwimmt wie ein Kakerlak im Spülbecken, während der neue Falerno in den Fässern fröhlich prickelnd fermentiert. Chosibus hat den Leiter mit dem Clark Gable - Atem kennengelernt, dessen schöne Ehefrau die Suppe für die Internen der Anstalt kocht: sie ist die Tochter der Müllerin und kann ihre Pfennige zählen. Der Leiter soll eine Dissertation über Jasmin angefangen und es dabei belassen haben.

           Die Internen aus Karthago bringen der Frau Direktorin riesige Teppiche und gefüllte Datteln mit; es ist nicht verboten, sie intelligent und von gutem Benehmen zu finden, umso mehr, als sie stolz ihre fünfundzwanzig Jahre und alle ihre Zähne zur Schau stellen. Der Kollege von Chosibus leitet einen Nachtclub in Bordeaux. Der Schüler Alcibiades läuft in Marathons, der Schüler Brantôme destiliert seine foie gras, der Englischlehrer Connecticut, der zwei Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht hat, leiht seine Stute Daisy den älteren Schülern, wenn nicht dem Aufsichtspersonal, und organisiert Sprachaufenthalte in England (wohin man sein Essen selbst mitbringen muss). Jedermann geht zum Ball der Unterpräfektur, in grosser Toilette, wohingegen ein männlicher Oppositioneller seine Muskeln produziert, die er unter dem Trikot Frankreichs zwei- oder dreimal recht und schlecht exhibiert.

           Felix regio ubi bibere, vivere, dicitur, in den Worten des örtlichen Unterpräfekten, aus Courvallois gebürtig und stolz, es zu sein.

 

 

Claude d’Esplas (Les Merlufleaux)
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Übersetzung Dagmar Coward Kuschke - Tübingen

 
   

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